Österreich hat nach wie vor einen der höchsten Einkommensunterschiede in der EU. Sowohl Frauen* mit Lehrabschluss, als auch Akademikerinnen*, sind davon betroffen. Zur Beseitigung der Einkommensschere muss Arbeit endlich fair bewertet, die Gehaltstransparenz ausgebaut und die Vergleichbarkeit von Gehältern ermöglicht werden.

Story

Theresa, 35, arbeitet in einem Betrieb mit ca. 120 Mitarbeiter*innen als Assistentin* der Geschäftsführung gemeinsam mit ihrem Kollegen* Bernd, der über weniger Arbeitserfahrung verfügt. Bei einem Gespräch unter Kolleg*innen erzählt Bernd stolz, dass er bei seiner Einstellung gut verhandelt hat und nun ein Bruttogehalt von 3.000 Euro bezieht. Theresa traut ihren Ohren nicht: sie bekommt für die gleiche Arbeit nämlich nur 2.500 Euro. Pro Jahr verdient sie damit 7.000 Euro weniger. Längerfristig wird sich dieser Unterschied auch massiv auf Theresas Pension auswirken.

Das fordert das Frauen*Volksbegehren konkret:

  • Volle Lohntransparenz durch eine detaillierte Aufgliederung aller betrieblichen Einkommensberichte in sämtliche Gehaltsbestandteile

  • Die verpflichtende Erstellung konkreter Maßnahmenpläne zum Abbau von Einkommensdifferenzen bei gleichwertiger Arbeit durch diejenigen Unternehmen, deren Einkommensberichte geschlechterdiskriminierende Unterschiede aufweisen

  • Sozial- und wirtschaftliche Maßnahmen, die die eklatanten Lohnunterschiede zwischen verschiedenen Arbeitsmarktsegmenten, Branchen und betrieblichen Hierarchien eindämmen und in diesen zu einem ausgewogenen Geschlechterverhältnis führen

  • Zusätzliche und weiterführende Pilotprojekte mit Vorbildwirkung im öffentlichen Dienst im Bereich der objektiven Bewertung von Arbeit

  • Die Koppelung von öffentlicher Auftragsvergabe und Förderungen an Aktivitäten zur Gleichstellung im Betrieb

Warum braucht es Gehaltstransparenz und gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit?

Laut Rechnungshof-Einkommensbericht 2016 verdienen Frauen* in Österreich je nach Branche zwischen 57 Prozent und 85 Prozent der durchschnittlichen Männer*einkommen. Es gibt nur eine Branche, in der Frauen* bei ganzjähriger Vollzeitbeschäftigung zumindest 99 % des Gehalts der Männer* verdienen, nämlich im Bergbau. Bei den „sonstigen Dienstleistungen” sind es nur 64 %. Der „Gender Pay Gap” ist also klar bewiesen und liegt nicht nur daran, dass Frauen* aufgrund der vielen Gratis-Pflegearbeit oft nur Teilzeit arbeiten gehen können.

Die verpflichtenden Einkommensberichte für Unternehmen mit mehr als 150 Mitarbeiter*innen haben sich bislang nicht als geeignetes Instrument herausgestellt, um Einkommensunterschiede zwischen den Geschlechtern zu verringern. Zum einen sind Mitarbeiter*innen und Betriebsrät*innen oft nicht genügend damit vertraut. Zum anderen sind die Berichte aufgrund der gesetzlichen Vorgaben nur wenig aussagekräftig und bieten keine ausreichende Vergleichsmöglichkeit. Eine faire Bezahlung ist hingegen nur möglich, wenn Einkommen existenzsichernd sowie transparent und nachvollziehbar sind. Betriebe sollten daher verpflichtend alle bezahlten Leistungen offenlegen und Maßnahmen zu einer gerechteren Bewertung von Arbeit erstellen.

Hintergrund

  • In Österreich müssen Betriebe ab 150 Mitarbeiter*innen einen Einkommenstransparenzbericht veröffentlichen.

  • Diese Transparenz ist aber mangelhaft und hilft nicht, die Einkommensungleichheit zu beseitigen.

  • Österreich liegt mit 21,7 % um über fünf Prozentpunkte hinter dem EU-Durchschnitt für den geschlechtsspezifischen Lohnunterschied auf dem viertletzten Platz.

  • Der Einkommensunterschied bei unselbstständig Beschäftigten betrug im Jahr 2015 38,4 %. Unter Brücksichtigung der Unterschiede im Beschäftigungsausmaß und Beschränkung des Vergleichs auf Vollzeibeschäftigte beträgt der Gender Pay Gap immer noch 17,3 %.

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