Aktionsta* Magdalena erzählt

Ich dachte immer, alles ist für jeden möglich und daran habe ich lange Zeit geglaubt. Ein gutes Leben, wo jeder Mensch seine Träume und Pläne realisieren kann. Das fand ich schön am Leben in Österreich.

In meinem Gymnasium in Wien gab es Jugendliche aus der ganzen Welt und den unterschiedlichsten sozialen Schichten. Wir tauschten uns immer aus, hatten unterschiedliche aber ähnliche Lebenserfahrungen. Ich fühlte mich immer wohl.

Dann kam ich auf die Uni. Nach einer Woche schaute ich mich während einer Lehrveranstaltung genauer im Raum um und eine Frage kam in mir auf: Wo sind die ganzen Ausländer? Nicht hier. Nach ein paar Monaten wurde mir durch Gespräche klar, dass es auf der Uni auch fast keine ArbeiterInnenkinder gab. Wo sie waren, wusste ich nicht, aber auf jeden Fall nicht hier. Auf einmal war niemand da, der eine ähnliche Biographie hatte wie ich. Ich war allein.

Später im Doktoratsstudium bemerkte ich, dass ich bei vielen wissenschaftlichen Veranstaltungen und in Räten eine von wenigen, wenn nicht die einzige Frau war. Wo die Studentinnen, die in den geisteswissenschaftlichen Fächern die Mehrheit darstellen, verschwunden sind, blieb mir ein Rätsel. Hier waren sie nicht.

Bald hielt ich meinen ersten Vortrag bei einer wissenschaftlichen Konferenz. Im Anschluss fragte ich den für mich zuständigen wissenschaftlichen Nachwuchsbetreuer, wie er meinen Vortrag fand. Die Antwort: „Deine Haare waren offen. Die Mehrheit des Publikums waren Männer. Lange Haare verbindet man mit Weiblichkeit und Weiblichkeit mit Inkompetenz. Also nächstes Mal besser Haare zusammenbinden.“ Ich wusste nicht, ob ich lachen oder weinen soll.

So begriff ich, dass nicht für jeden alles möglich ist. Ein gutes Leben, wo man seine Träume und Pläne realisieren kann, ist für manche realistischer als für andere. Damit meine Wunschwelt mit all ihren Möglichkeiten für alle Realität wird, musste ich selbst etwas unternehmen. Und ich begann mich dafür einzusetzen. Denn wenn wir es nicht machen, macht es niemand.

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Magdalena Baran

Magdalena ist 32 Jahre alt und seit einem halben Jahr beim Frauen*Volksbegehren aktiv.